05.12.2019 - 5 Trinkwasserverrsorgung – Trinkwasserschutz
Grunddaten
- TOP:
- Ö 5
- Gremium:
- Landwirtschafts- und Umweltausschuss
- Datum:
- Do., 05.12.2019
- Status:
- gemischt (Sitzung abgeschlossen)
- Uhrzeit:
- 17:30
- Anlass:
- Sitzung
Wortprotokoll
Zur Thematik Trinkwasserversorgung und Trinkwasserschutz wurden Fragen an die Boddenland GmbH ausgeteilt, auf die Herr Dr. Turnow (Geohydrologe, Boddenland GmbH) und Herr Hager (technischer Leiter Boddenland GmbH) im Dialog mit den anwesenden Landwirten antworteten.
Frage 1: Wurden Grenzwerte des Grundwassers von einzelnen Brunnen in den Trinkwasserschutzgebieten im Stadtgebiet RDG und Kuhlrade überschritten?
Antwort: Ja, bei den Elementen Amonium, Eisen und Mangan wurden die Grenzwerte teilweise überschritten. Diese Überschreitungen sind jedoch auch geogenen Ursprungs und sind in der Beschaffenheit des Grundwasserleiters begründet. Die im Stadtgebiet RDG vorhandenen Wasserleiter sind mit Geschiebemergel bedeckt. Die Wegstrecken des Wassers durch den Geschiebemergel vollziehen sich über 30 bis 40 Jahre. Die Förderung von Wasser, welches über lange Jahre entstanden ist, weist eine starke Sauerstoffarmut auf, in deren Konsequenz sich Elemente, wie z.B. Eisen, im Wasser lösen und eine Grenzwertüberschreitung bewirken.
Frage 2: Hat sich die Qualität des Grundwassers in den letzten Jahren verschlechtert?
Antwort: Nein, dies konnte nicht festgestellt werden.
Frage 3 und 4: Werden die Grenzwerte für Pestizide und Herbizide (Pflanzenschutzmittel=PSM) im Grundwasser eingehalten und ist der Trend zur Erhöhung der schädlichen Wasserparameter ersichtlich?
Antwort: Gegenwertig gibt es keine gesetzlichen Grenzwerte für Pestizide / Herbizide, die eingehalten werden müssen. Die sog. GOW (gesundheitliche Orientierungswerte) für das Grundwasser werden eingehalten. Zudem wird das Wasser in den Brunnen seit den 1990er Jahren 1-3x jährlich untersucht.
Frage 5: Gibt es Untersuchungen über den Eintrag von Glyphosat ins Grundwasser?
Antwort: Nein, bisher keine Befunde. Es gibt allgemein viele Kontrollparameter von PSM, diese sind nicht hoch, aber vorhanden (Beispielfund von Metazachlor beim Rapsanbau in Petersdorf). Diese Werte können jedoch – mit dem Verweis auf die lange Verweildauer im Geschiebemergel – in der Nutzung in den 1980er Jahren begründet sein.
Grundsätzlich sollte der Boden als „ganzzeitlicher Körper“ betrachtet werden, eine Fruchtfolge ist immer bodenverbessernd und sollte, wie der Humusaufbau, im Fokus stehen. Der Humus bildet einen wichtigen Puffer, der Tonminerale bindet und PSM hält.
Herr Lass und Herr Peters argumentierten ergänzend dazu, dass Düngemittel ein hoher Kostenfaktor für landwirtschaftliche Betriebe darstellen und in Deutschland restriktive Düngeverordnungen bestehen. Landwirte sind i.d.R. bemüht die Düngemittel wohl dosiert auf die Felder zu geben.
Herr Peters verwies darauf, dass er Humusbilanzen erstellt und auf den Feldern für die Verbesserung der Humusbilanz sorgt, indem er Pflanzenreste auf dem Acker nicht abtransportiert.
Frage 6: Wie wird kontrolliert, dass die Nutzungseinschränkungen in den Schutzgebieten eingehalten werden?
Antwort: Es erfolgt eine beiderseitige Kontrolle durch die Boddenland GmbH und die unterste Wasserbehörde des Landkreises Vorpommern-Rügen.
Frage 7: Gibt es schon Vereinbarungen mit landwirtschaftlichen Betrieben über Nutzungseinschränkungen, z.B. der Einsatz von PSM, Nitrat, Phosphat usw.?
Antwort: Nein. Jedoch gibt es gegenwärtig Feldversuche mit Unterstützung landwirtschaftlicher Betriebe, um Bodenprofile in der Nähe zu Brunnen zu erstellen.
Frage 8: Hat sich in den letzten Jahren der Trinkwasserspiegel durch die trockenen Wetterbedingungen gesenkt?
Antwort: Ja, etwa einen halben Meter. Herr Dr. Turnow ergänzt, dass es immer wieder trockene und feuchtere Perioden gibt. (auf 7 trockene Jahre, folgen 7 feuchtere Jahre). Grundsätzlich sei zu beachten, dass die Wasserspeicher sehr gut gefüllt sind, jedoch der Druck im Geschiebemergel abgesunken ist (Druckverlust). Diese Defizite können sich vorrangig bei Hochlagen (z.B. Dänschenburg) bemerkbar machen.
Frage 9: Kann es in den nächsten Jahren zu Engpässen bei der Trinkwasserversorgung kommen?
Antwort: Nein, es gibt ausreichend Reserven. Jedoch könnte die Aufbereitungskapazität, v.a. zu Stoßzeiten im Sommer, teilweise schwierig werden. (Tourismusdruck)
Die Belastung von Nitrat im Boden ist im Stadtgebiet sowie umliegenden Regionen und in ganz M-V noch moderat. Die Nitratbelastung wird jedoch bei intensiver Viehnutzung (z.B. Niedersachsen) problematisch. Dies schlägt sich dann auch in der Aufbereitung des Trinkwassers nieder.
Frage 10 und 11: Hat sich die verkaufte Trinkwassermenge in den letzten Jahren erhöht und zeichnet sich ein Trend ab?
Antwort: Der Wasserverbrauch pro Kopf ist konstant. Die verkaufte Trinkwassermenge erhöht sich stetig. Seit 20 Jahren ist jährlich ein Zuwachs von ca. 2,1% zu beobachten, der sich vorrangig auf den Tourismus bezieht. (für RDG sind es ca. 30.000 m3) Die Verkaufsmengen der letzten Jahre stellen sich wie folgt dar: 2016 – 710.000 m3, 2017 – 667.000 m3 und 2018 – 712.000 m3 Wasser.
Herr Eggersmann erfragte die Versorgungssituation bei Realisierung des Tourismusprojektes Pütnitz. Herr Hager verwies auf den Punkt, dass bei Projektrealisierung Vorlagebehälter zu intergrieren wären (Auflage aus dem Raumordnungsverfahren), die als Speicher fungieren. Die Boddenland kann auch diesen Mehrdearf abdecken.
Die Ausschussmitglieder bedankten sich für die interessante und konstruktive Diskussion.